Die Entstehung von terrafair

Mit seiner Geschichte, die ins Jahr 1973 zurückgeht, ist terrafair (ehemals Verein gebana) eine Organisation des Fairen Handels mit Pioniercharakter. Sie hat dazu beigetragen, dass die Themen Gerechtigkeit im internationalen Handel und nachhaltiger Konsum bei den KonsumentInnen verankert wurden. Auf dieser Basis konnten Labelprogramme und Grossverteiler mit Erfolg aufbauen.

1973–1984: Bananenfrauen», Öffentlichkeitsarbeit

1973 gab die Migros auf Grund des gesunkenen Dollarkurses eine Preisreduktion von 15 Rappen pro Kilogramm Bananen zu Gunsten der KonsumentInnen bekannt. Auf diesen Abschlag wollte eine Gruppe von Frauen aus Frauenfeld zu Gunsten der Ärmsten der Armen verzichten. Ihre Aktion, in kürzester Zeit in Freiwilligenarbeit organisiert, fand in den Medien der ganzen Schweiz Beachtung. Viele Detaillisten beteiligten sich an der Aktion «plus 15 Rappen». Mit der Übergabe von 100000 Franken an Hilfswerke durfte die Gruppe den ersten Erfolg feiern.

Damit begann eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Gerechtigkeit im Handel mit der Dritten Welt. Die mittlerweile als «Bananenfrauen» bekannten Frauen arbeiteten in einem losen Netzwerk. Während dieser Phase der Arbeit informierten sie die Öffentlichkeit am Beispiel der Bananen über fragwürdige Produktions- und Handelsbedingungen.

1984–1986: Gründung der Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel

Mit dem 1985 von den USA verhängten Wirtschaftsembargo gegenüber Nicaragua ergab sich eine Erweiterung des Tätigkeitsfeldes. Die gesamte nicaraguanische Bananenproduktion musste einen neuen Absatzmarkt suchen. Dank der Vermittlungsarbeit der «Bananenfrauen» fanden 1986 erstmals Bananen aus unabhängiger Produktion und Vermarktung den Weg in die Schweiz. Der Verkauf der «Nica-Bananen» erreichte rasch rund 1000 Kisten (à 18.4 kg) pro Woche. Um die wachsenden Anforderungen erfüllen zu können, gründeten die Bananenfrauen 1987 den Verein Arbeitsgemeinschaft gerechter Bananenhandel gebana.

1986–1993: Vermittlung der Nica-Bananen, Stärkung der Projektarbeit

Die gebana vermittelte die Nica-Bananen zu Marktpreisen und erhob einen sogenannten Solidaritätsaufpreis von 10 Rappen pro Kilo zugunsten der arbeitenden Bevölkerung in den Plantagen. Damit wurde in Zusammenarbeit mit dem belgischen Hilfswerk oxfam und der belgischen Regierung eine Vielzahl von Projekten in Nicaragua unterstützt. Zwecks Koordination der Arbeiten vor Ort wurde 1989 ein Verbindungsbüro in Managua aufgebaut. In Deutschland begann auf Initiative der gebana der gemeinnützige Verein BanaFair mit dem Verkauf von Bananen. Insgesamt überwies der Verein gebana über 500000 Franken für Projekte in Nicaragua.

Nach der Wahlniederlage der Sandinisten 1990 kam es einmal mehr zu einer grossen Bewegung im Bananenhandel. Die Reprivatisierung der Regierung Chamorro führte in Nicaragua zu einem Zusammenbruch der Produktion. Zum andern intensivierte sich der Kampf um Marktanteile mit der Einführung der EU-Bananenmarktordnung. Dies alles hatte zur Folge, dass die unabhängigen Produzenten in Lateinamerika zunehmend ins Abseits gerieten.

1993–1998: Unabhängig produzierte Bananen und Bio-Bananen

Die gebana wurde in Costa Rica fündig. Die dank der guten Zusammenarbeit mit Schweizer Firmen (v.a. AG für Fruchthandel und VOLG) ab 1993 unter dem Namen «Pablitos» eingeführten Bananen stammten von einer privat geführten Plantage. 1996 wurde das Sortiment mit den biologisch produzierten Bananen «Tainos» aus der Dominikanischen Republik ergänzt. Als sich VOLG entschloss, exklusiv auf die Pablitos umzusteigen, steigerte sich der Marktanteil in der Schweiz auf über 4% (3000 Kisten pro Woche).

Auf die Pablitos und die Tainos wurde ein Aufpreis von 15 Rappen pro Kilo erhoben. Zwei Drittel finanzierten den Projektfonds, mit welchem die Arbeit in den Anbaugebieten weitergeführt wurde. Dabei arbeitete die gebana eng mit der Schweizer Entwicklungsorganisation Helvetas zusammen. Mit dem restlichen Drittel des Aufpreises wurde die Geschäftsstelle finanziert, welche mit 150 Stellenprozenten Öffentlichkeitsarbeit leistete sowie Schulmaterialien erstellte.

1997 zeichnete sich ab, dass die Stiftung Max Havelaar Bananen in ihr Programm aufnimmt. Da es zu keiner engeren Zusammenarbeit kam, beschloss die gebana im März 1998 die Arbeit mit den Bananen einzustellen.

1998–2004: Aufbau gebana ag und Stiftung Rural Development Fund

Die Mitgliederversammlung entschied aber, den Verein nicht aufzulösen, sondern seine Kraft in den Aufbau einer Handelsunternehmung einzusetzen. So legte der Verein gebana 1998 die Basis für die Gründung der gebana ag. Heute ist die gebana ag europaweit der zweitgrösste Anbieter von biologisch produzierten Sojabohnen und Sojaderivaten. Sie besitzt Niederlassungen in Brasilien und Burkina Faso und beliefert hierzulande Detaillisten mit Fairtrade-Produkten sowie 4000 Kunden per Direktversand (www.gebana.com).

2002 gründete der Verein gebana die Stiftung Rural Development Fund als Instrument, um den Anschluss von ProduzentInnen an den Fairen Handel zu fördern (www.ruraldevelopment.ch).

Im März 2003 erhielt Ursula Brunner, welche die Arbeit der gebana von Anfang an geprägt hat, für die Arbeit der Bananenfrauen und des Vereins den renommierten K.Gyr-Preis für kulturelle, wissenschaftliche und soziale Pionierleistungen.

2004–2006: Neuausrichtung des Vereins, Auftritt als terrafair

Marktabklärungen zum Fairen Handel in der Schweiz zeigten, dass eine Organisation fehlt, welche unabhängig über die Themen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit im internationalen Handel berichtet, die Akteure kritisch begleitet und mit gezielten Aktivitäten den Fairen Handel fördert.

Die Generalversammlung des Vereins gebana vom 9. September 2004 befürwortete deshalb einstimmig neue Statuten mit angepasstem Zweckartikel. Die Generalversammlung vom 20. Oktober 2005 beschloss, ab 2006 unter dem neuen Namen terrafair aufzutreten.

Unsere Vision ist eine Welt, die sich an den Leitwerten soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit in Produktion, Handel und Konsum orientiert. Ziel des Vereins ist es insbesondere, die KonsumentInnen für den Fairen Handel zu sensibilisieren und zu motivieren. Mit der Lancierung des terrafair-Magazins wurde ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen.

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