Die Kunst der Kreditvergabe
Von: Alexandra StrebelWenn man in der Schweiz zum Thema Fair Trade und Finanzwelt berichten möchte, kommt man um die Alternative Bank Schweiz AG (ABS) nicht herum. Sie entstand in den 80er-Jahren, als die Erklärung von Bern ein grosses Interesse für eine Bank mit ökologischen und sozialpolitischen Zielsetzungen bei Privatpersonen und Vereinen ausmachte. Heute ist die ABS die führende Bank im Geschäft mit ökologischen und sozialen Krediten in der Schweiz. Thomas Grädel, Leiter Firmenfinanzierungen, hat uns mehr zur Bedeutung von Fair Trade bei der ABS erzählt.
Was ist Ihre Motivation für die ABS zu arbeiten?
Ich bin vor zehn Jahren aus ideellen Gründen zur ABS gekommen. Davor war ich 15 Jahre in zwei Schweizer Industriekonzernen als Betriebsingenieur tätig. In der Freizeit ergab sich mehrmals die Gelegenheit, kleinere KMU betriebswirtschaftlich und auch in Bezug auf Bankfinanzierungen zu beraten. Dieses Wissen konnte ich dann optimal "auf der anderen Seite" bei der ABS einbringen. Bis heute helfen mir meine langjährigen, ausserhalb der Bank gewonnen Erfahrungen, die Bedürfnisse der Unternehmungen zu verstehen. Das Bankfachwissen konnte ich mir nach meinem Quereinstieg bei der ABS in Weiterbildungen rasch aneignen.
Was ist Ihre Aufgabe bei der ABS?
Unsere Aufgabe ist es, die Kreditanträge entgegenzunehmen und die Entscheide vorzubereiten. Wir sind in Kontakt mit den potentiellen Kreditnehmern, lernen die Firmen kennen und betreuen sie während der Laufzeit des Kredits. Persönliche Beziehungen zu den Firmen zu pflegen und Projekte unterstützen zu können, die sonst nicht zustande kämen, ist für mich sehr befriedigend.
Wo sehen Sie die Verbindung zwischen Fair Trade und der ABS?
Die ABS hat neun Bereiche definiert, für die es Förderkredite gibt. Einer davon ist der Förderbereich "Entwicklungszusammenarbeit", welcher in direktem Zusammenhang mit Fair Trade steht. In den Statuten der Bank ist jedoch auch verankert, dass wir nicht im Ausland tätig sind. Anders gesagt, wir können nur an Schweizer Firmen Kredite vergeben. Darum ist es uns ein besonderes Anliegen, Schweizer Firmen zu finanzieren, die in den entsprechenden Regionen aktiv sind. So wird das Geld ebenfalls in Entwicklungsländern investiert und wir erreichen das Ziel des Förderbereichs. Über eine gut ausgerichtete, das heisst eben auch ethisch orientierte Wirtschaft kann vieles erreicht werden. Ein Beispiel ist die Firma Erboristi Lendi. Sie handelt mit Kräutern und Gewürzen und investiert gleichzeitig in die Ausbildung und Qualitätssicherung bei den Produzenten in verschiedenen Ländern des Globalen Südens. So wird ein wichtiger Impuls für die Landwirtschaft in Randregionen gegeben.
Was heisst für Sie Fair Trade?
Fair Trade hat für mich viel mit Solidarität und echter Partnerschaft zu tun. Hierfür ist die Firma Remei AG als Partner von Coop für ihre Naturaline ein gutes Beispiel. Die Solidarität erreicht Remei dadurch, dass sie die ganze Wertschöpfungskette konsequent optimiert und unnötigen Zwischenhandel vermeidet. Wenn dann diese zusätzliche Marge gerecht aufgeteilt wird, profitieren alle und insbesondere auch der Bio-Baumwoll-Bauer in Indien.
Fair Trade ist auch immer mit Wissenstransfer und Hilfe zur Selbsthilfe verbunden. Über die Handelsbeziehung entstehen Förderprogramme. Dabei spielen der Austausch und die Qualitätsentwicklung eine wichtige Rolle. Natürlich muss auch der ökonomische Teil der Nachhaltigkeit erfüllt sein, aber oft ist dies eine Frage des Betrachtungshorizonts. Manchmal braucht es Vorleistungen, damit man längerfristig und nachhaltig Gewinn erwirtschaften kann. Dieses Potenzial zu erkennen, ist die Kunst der Kreditvergabe.
Was raten Sie einem Kleinanleger, der bei der ABS fair investieren möchte?
Das ist bei der ABS ganz einfach, da sie als Ganzes zum Ziel hat, transparent und glaubwürdig nach ethischen Kriterien zu investieren. Das heisst, auch wenn man ein normales Lohn- oder Sparkonto einrichtet, wird das Geld gut angelegt. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Förderbereiche zu unterstützen. Wenn man unter Fair Trade den fairen, globalen Handel versteht, kann man Förderobligationen im Bereich Entwicklungszusammenarbeit zeichnen.
Fair Trade kann auch über unseren Innovationsfonds unterstützt werden. Meist fliesst vor der Gewinnausschüttung der ABS ein Teil des Ertrags in diesen Fonds. Viele Aktionäre verzichten auch zugunsten des Fonds auf ihre Dividende. Diese Gelder können im Unterschied zu den ABS-Krediten direkt für Projekte im Ausland verwendet werden. Der Innovationsfonds ist wie Hefe, er hilft mit, Neues entstehen zu lassen.
Die Finanzkrise hat in der Öffentlichkeit das Bewusstsein für die Rolle der Banken in der Gesellschaft wieder belebt, vor welchen Herausforderungen steht die ABS?
Das ist eine schwierige und wichtige Frage für die ABS. Sie steht nicht alleine da, sondern ist in ein komplexes System eingebunden. Seit einigen Jahren haben wir ein sehr stabiles Wachstum auf Seite der Kunden und Kundinnen sowie bei den Anlegern und Anlegerinnen. Die aktuelle Herausforderung ist die Kreditvergabe. Bei vielen Banken haben die Kunden ihre Vermögen in einfachere Anlageprodukte umgeschichtet - weg von komplexen, intransparenten Bankprodukten wie zum Beispiel strukturierten Anlagen. Dadurch sind nun viele Banken in der Schweiz unter Druck geraten, aus den Sparkapitalien Kredite zu vergeben. Es ist zurzeit sehr viel Geld auf dem Kreditmarkt in der Schweiz vorhanden. Somit sind die Zinsen gesunken. Diesem harten Umfeld ist auch die ABS ausgesetzt. Wir verstehen das aber als Herausforderung: So versuchen wir laufend unsere ganze Dienstleitungspalette für die Kundschaft weiter zu verbessern. Und vor allem versuchen wir, weiterhin überdurchschnittlich innovativ zu sein, Nischen zu finden und da zu investieren, wo es andere Banken noch nicht tun. Dabei helfen uns unsere grosse Erfahrung und unser Netzwerk. Wir haben in vielen Bereichen wie zum Beispiel erneuerbare Energien und soziale Projekte immer noch eine Pionierrolle und ich denke, dies wird auch in den nächsten zehn Jahren der Fall sein.
Der ganze Artikel ist in der aktuellen Ausgabe des terrafair Magazins (Nr. 19) zu lesen.


