Wo Fair-Trade-Kleider beginnen
Von: Karl Johannes RechsteinerBlick in die Produktionskette
Was mit Kaffee und Honig begann, hat heute sämtliche Lebensbereiche erfasst. Sehr nahe geht uns, was wir auf der Haut tragen. Kleider als globale Produkte haben Fair Trade besonders nötig.
Der erste Stoff aus Fairem Handel war in den 70er-Jahren das grobe Gewebe der legendären Tragtaschen von «Jute statt Plastik». Der damals symbolhafte Import der Stoffsäcke ist längst durch die aufwändige Kontrolle von Produktionsketten abgelöst worden. Aus Fair-Trade-Anfangszeiten geblieben ist jedoch die Dreifaltigkeit der fairen Forderungen: Gerechtigkeit – Gesundheit – Ökologie. Die drei Bereiche prägen 30 Jahre später auch die Diskussion um fair gehandelte Stoffe. Wer nur auf Öko oder Gesundheit setzt, muss damit rechnen, dass bei der Produktion der Baumwolle Menschen ausgebeutet werden, wie in diesem Heft das Beispiel aus Indien zeigt (siehe Seite 12). Wer sich alleine für gerechtes Wirtschaften einsetzt, hat vielleicht die Umwelt zu wenig im Auge. Fair Trade im ganzheitlichen Sinn umfasst somit Aspekte aus verschiedensten Lebensbereichen.
Gütesiegel auch für Mode
Mitte der 90er-Jahre wurde das STEP-Label gegründet, das mit der Teppichproduktion erstmals das Textil-Business unter die Lupe nahm. Mit der Forderung nach «sauberen Kleidern» begann dann vor zwölf Jahren die Diskussion um Faire Mode in der Schweiz, als Fastenopfer und Brot für alle mithalfen, die Clean Clothes Campaign zu lancieren, die heute von der Erklärung von Bern getragen wird. Schliesslich expandierte 2005 Max Havelaar mit einem Gütesiegel für Baumwoll- und Textilprodukte erstmals in den Non-Food-Sektor – damit ausgezeichnet werden seither T-Shirts, Frottierwäsche oder Wattestäbchen von Unternehmen wie Switcher, Manor oder Helvetas.
Stoffe aus dem Süden
Seither haben sich allerlei Labels für nachhaltige Mode profiliert. Gütesiegel kontrollieren die Sozial- oder Öko-Standards von Produktionsschritten, die vor allem in Entwicklungsländern stattfinden:
- Anbau der Baumwolle
- Spinnen, Verarbeitung zu Garnen
- Weben, Gewebe herstellen
- Nähen, Kleiderproduktion
- Veredelung, Accessoires
- Konfektionierung, Handel
Bei verschiedensten Schritten der Lieferkette können Probleme auftreten. Greenpeace hat aufgedeckt, wie hochgiftige Abwässer aus Textilfabriken in China ungehindert Flüsse verschmutzen. Auf der Webseite www.killerjeans.org wird angeprangert, wie das modische Sandstrahlen von Jeans die tödliche Silikose-Krankheit auslöst. Wegen ihrer Arbeitsbedingungen kritisiert werden auch Sportartikel-Hersteller wie Nike oder Adidas. Labels wie Max Havelaar sollen mithelfen, im Dschungel der textilen Warenwelt die glaubwürdigen Angebote herauszufiltern.
Modische Links
www.evb.ch Hintergründe und Unterrichtsmaterialien zum globalen Modegeschäft
www.gruenemode.de Der spannende Blog von Spezialistin Kirsten Brodde
www.greenpeace.ch Mode: Infos zu H&M und andere schmutzige Wäsche


